Manche mögens heiß… Oder: Arbeiten ohne Anamnese

Das Risiko erkennen und angemessen reagieren

Ruft mal wieder eine Frau bei mir an, weil sie einen Rat zu EFT möchte und mich gerade im Internet gefunden hat.

EFT ist eine der meridianbasierten Klopfmethoden, die ich seit mehr als einem Jahrzehnt auch im klinischen Bereich unterrichte, insbesonders im Bereich Komplex Traumatisierung. Inzwischen nenne ich meine Weiterentwicklung TAP Technik, da ich viel mit Ressourcen arbeite und das im EFT Protokoll nicht erwünscht ist.

„Ja, ich war da bei einer Klopftherapie und jetzt geht es mir ganz schlecht, ich habe jetzt dauernd Panikattacken und bin krankgeschrieben und jetzt würde ich gerne wissen, was ich machen soll“

Hm. Denke ich. Am Telefon? Mal kurz eben?

Und frage nach, was sie denn getan hat in ihrer Klopftherapie. Und dann staune ich.

Diese Frau hat wohl jemanden vor ein paar Wochen angerufen, so wie mich. Um Hilfe gebeten und dort einen ersten Termin ausgemacht.

Und bis zu dem Termin – dem ersten, wohlgemerkt, gleich mal telefonisch die Anweisung bekommen, einen bestimmten Satz mehrmals täglich zu klopfen „Auch wenn ich nicht gesund werden darf, liebe ich mich, so wie ich bin“ Zur Vorbereitung auf die erste Sitzung.

Ohne Vorgespräch, ohne Anamnese, ohne dass der Therapeut irgendetwas über diese Frau wusste.

Und das ging dann voll nach hinten los. Symptomverstärkung mit Arbeitsunfähigkeit zur Folge.

Ich frage noch ein wenig weiter, und erfahre, dass diese Frau schon seit vielen Jahren in psychotherapeutischer Behandlung ist und auch schon einige Klinikaufenthalte hinter sich hat.

Ach ja, Medikamente nimmt sie auch, vom Hausarzt. Was das ist? Ja, wegen ihrer Depressionen, aber sie weiß nicht, ob das was hilft. Deswegen sucht sie ja nach einer Alternative.

Innerlich hole ich erst Mal tief Luft. Auf den unfähigen Kollegen zu schimpfen, der, ohne irgendein Hintergrundwissen eine psychisch instabile Person mit einer viel zu konfrontativen therapeutischen Intervention noch mehr aus der Bahn geworfen hat, hilft der Frau jetzt auch nicht…

Sowas würdet ihr nie machen? Jemand ohne eine Minimalanamnese behandeln?

Gut. Sehr gut.

Und für alle, die sich damit noch unsicher fühlen, oder in ihrer methodischen Ausbildung so was nicht gelernt haben, hier ein Anhaltspunkt, was man meiner Meinung nach mindestens fragen sollte, bevor man anfängt, mit Methoden zu arbeiten, die in das psychische System eingreifen:

Bitte füge diesem Bogen noch alle weiteren Fragen hinzu, die Dir persönlich wichtig sind, zu wissen.

Und wenn Du den Impuls hast, dann im ersten Termin spontan nach etwas zu fragen, das nicht auf dieser Liste steht: Mach es bitte!

Vertraue Deiner Intuition und frage nach. Und falls da nichts ist, auch gut – denn dann fühlst Du Dich wohler, ganz einfach weil Du Klarheit über diesen Punkt hast.

Und je wohler Du Dich fühlst, umso besser wird die Sitzung laufen.

Erstens überträgt sich Deine Stimmung unbewusst auf den Klienten und Du läufst umso mehr zu Deiner Höchstform in einer Sitzung auf, je besser Du Dich dabei fühlst.

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