Wissen oder Intuition – wer hat recht?

Mein Vater hat mir einmal erzählt, wie er als Student eine umfangreiche Prüfung geschafft hat. 

Mein Vater war Diplom Ingenieur, sehr intelligent und dem mathematisch-wissenschaftlichen Denken aufrichtig zugetan.

Das habe ich wohl von ihm geerbt.

Das logische Denken zu lieben und ihm einen wichtigen Platz zu geben.

Also, hier die Lage:

Der Stoff war definitiv zu viel, der Professor streng und die Zeit vor der Prüfung wie üblich zu knapp.

Es war einfach nicht zu schaffen. Der Professor war dafür bekannt, sehr detaillierte Fragen zu unvorhersehbar kniffligen Inhalten zu stellen. Und die Menge an Stoff war riesig. Zu riesig.

Da nahm mein Vater sein Fahrtenmesser, sprach ein Stoßgebet und stach mit Schwung in seine Unterlagen auf dem Schreibtisch.

Und lernte dann nur bis exakt zu der Stelle, wo das Messer gesteckt hatte.
Sehr akribisch.
Und bestand so die Prüfung.

Für mich ist das ein schönes Beispiel für das konstruktive Zusammenwirken von Wissen und Intuition  im Dienste eines größeren Zieles.

Die Logik sagt: ALLES kann dran kommen in der Prüfung, denn der Professor ist wirklich unberechenbar. Du MUSST das alles lernen, um eine Chance zu haben.

Und die Intuition kommt hier mit hinein: Die Sachen auf dem Schreibtisch wurden sehr unbewusst angeordnet, im heimlichen Stoßgebet und in der anschließenden Hingabe an den reinen körperlichen Impuls, der das Messer bis zur genau richtigen Stelle führt.

Das große Ziel war in diesem Fall: Ich will Ingenieur werden und Sachen erfinden.

Was dann auch geklappt hat.

Mein Vater hat später einen der ersten Computer in Amerika mit aufgebaut. Das war damals ein ganzes Zimmer voll mit riesigen Blechpaneelen, über und über bedeckt mit hunderten bunten Kabeln – das war damals EIN einziger Computer… sehr historisch aus heutiger Sicht 😉

Was bedeutet das jetzt für uns? Für die praktische, tägliche Arbeit mit Menschen?

Das Ziel ist wichtig. Die Widmung.

Die Intuition kann mich nur führen, wenn ich ein klar definiertes Ziel habe, wo ich hin will.

Das gibt dann die Richtung. Da geht´s lang.

Und unmittelbar darauf folgend: ein praktisches und rational geordnetes Handeln.

Wenn ich das Ziel definiere, bekomme ich auch ein messbares Ergebnis.

Ich habe entweder mein Ziel erreicht, bin ihm näher gekommen. Oder halt nicht.

Und hier sollte auch der Verstand wieder klar eingesetzt werden.

Das ist seine Domäne. Zu messen, zu prüfen, einzuordnen.

Und ebenso in der praktischen Umsetzung dessen, was mir die Intuition gezeigt hat.

Mein Vater hat sich schließlich dann auch auf den Hosenboden gesetzt und den intuitiv definierten Bereich gründlich gelernt.

Und nicht OM gesungen…

Intuition und Wissen gemeinsam.

Jedes an seinem Platz mit vollem Einsatz praktiziert.

Das gibt ein unschlagbares Team!

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